Ökologische Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung

Empfehlung 4: Behandlungsziele abstimmen

Empfehlen oder verordnen Sie keine Untersuchungen und Eingriffe, ohne zuvor den erwarteten Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung der Patient*innen zu besprechen sowie deren Präferenzen, Werte und Behandlungsziele zu erörtern.

Die Originalempfehlung (#15) wurde durch die Canadian Society of Internal Medicine für Choosing Wisely Canada (Internal Medicine) erstellt.

Zuletzt aktualisiert: Juli 2025

Nutzen für Patient*innen und das Gesundheitssystem

Die Zahl der Tage in der Akutversorgung kann laut Canadian Society of Internal Medicine verringert werden, wenn sich Patient*innen für eine konservative Behandlung entscheiden, die zu ihrer Prognose und ihren Zielen passt.

Als Beispiele hebt die Fachgesellschaft kognitive Tests sowie Gebrechlichkeitsscreenings hervor – und betont die klinische Sinnhaftigkeit eines routinemäßigen Einsatzes bei älteren Patient*innen. Diese Diagnosemaßnahmen sind CO₂-arm, führen aber zur Früherkennung von Demenz und erleichtern Gesprächen über das Risiko von Gebrechlichkeit zwischen Internist*innen, Patient*innen und ihren Begleitpersonen.

Nutzen für die Umwelt

Sicherzustellen, dass das Behandlungssetting den Versorgungsszielen der Patient*innen entspricht, kann einen wesentlichen Einfluss auf den CO₂-Fußabdruck eines Krankenhausaufenthalts haben. Eine Akutstation (normales Krankenhausbett) erzeugt pro Tag 5,5 kg Festmüll und 45 kg CO₂-Äquivalente (entspricht 218 km Autofahrt), im Vergleich zu 7,1 kg Festmüll und 138 kg CO₂-Äquivalenten (entspricht 670 km Autofahrt) auf einer Intensivstation.

Zusammengefasste Kommentare der Teilnehmenden

Bei der Behandlung chronisch kranker Menschen sollten individuelle Therapieziele gemeinsam festgelegt werden. Grundlage für medizinische Maßnahmen sei eine sorgfältige Indikationsstellung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. Ohne medizinische Indikation sei eine weitere Abklärung in der Regel nicht erforderlich. Zentral seien dabei der Wille der Patientin bzw. des Patienten sowie die zu erwartende Lebensqualität. Auch ökonomische Aspekte könnten – insbesondere bei aufwändigen oder wenig erfolgsversprechenden Therapien – eine Rolle spielen. Vorrangig blieben jedoch immer eine klare medizinische Indikation und die Berücksichtigung individueller Behandlungsziele.

Quellen

Prasad PA, et al. Environmental footprint of regular and intensive inpatient care in a large US hospital. The International Journal of Life Cycle Assessment. 2022;27(1):38-49.

Varley PR, et al. Association of Routine Preoperative Frailty Assessment With 1-Year Postoperative Mortality. JAMA Surgery. 2023;158(5):475-83. PMID: 36811872

Links
Ausgewählt von

Diese Top-6-Liste entstand in enger Kooperation zwischen dem Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation bzw. Cochrane Österreich (Universität für Weiterbildung Krems) sowie Vertreter*innen von folgenden Fachgesellschaften:

  • Österreichische Fachgesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM),
  • Österreichische Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel (ÖGES),
  • Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG),
  • Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG),
  • Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH),
  • Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖKV),
  • Österreichische Palliativgesellschaft (ÖPG).