Ökologische Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung

Empfehlung 1: Medikation kritisch prüfen

Die Einnahme von Medikamenten sollte nicht gestartet oder fortgesetzt werden, wenn es keine Indikation gibt oder wenn das Risiko den Nutzen überwiegt.

Die Originalempfehlung (#8) hat die Canadian Society of Healthcare-Systems Pharmacy für Choosing Wisely Canada (Hospital Pharmacy) erarbeitet.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2024

Nutzen für Patient*innen und das Gesundheitssystem

Die Optimierung des Medikamenteneinsatzes bringt Patient*innen direkte klinische Vorteile: Das Absetzen unnötiger Medikamente kann unerwünschte Ereignisse verringern, das Gesundheitssystem entlasten und die Qualität der Versorgung verbessern.

Deutlich zeigt sich dies beim Thema Polypharmazie: Derartige Mehrfachverordnungen erhöhen das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen und potenzielle Wechselwirkungen. Eine Reduktion der Polypharmazie steigert sowohl die Effizienz als auch die Nachhaltigkeit auf individueller Ebene und im Gesundheitssystem insgesamt.

Nutzen für die Umwelt

Jährlich entstehen nahezu 100.000 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen durch ungenutzte Medikamente und pharmazeutische Abfälle. Ein optimierter Medikamenteneinsatz reduziert daher den pharmazeutischen Abfall und die Umweltbelastung. Durch den Verzicht auf unnötige oder nicht indizierte Verschreibungen können Gesundheitsdienstleister*innen weiters dazu beitragen, die Nachfrage nach Rohstoffen und energieintensiven Prozessen in der Arzneimittelproduktion zu reduzieren.

Zusammengefasste Kommentare unserer Teilnehmenden

Eine sorgfältige Indikationsstellung und Nutzen-Risiko Abwägung sei grundsätzlich immer sinnvoll und wichtig. Entscheidungsgrundlage sollte primär die medizinische Indikation sein – basierend auf den Kriterien der evidenzbasierten Medizin, dem individuellen Risiko-Nutzen-Verhältnis sowie der Lebenserwartung und Lebensqualität der Patientin bzw. des Patienten. Nachhaltigkeitsaspekte könnten ergänzend berücksichtigt werden, sollten aber nicht die leitende Entscheidungsgrundlage darstellen.

Quellen

Canadian Institute for Health Information. Changes in drug prescribing to seniors in Canada. [Internet]. 2024 [cited Feb 12, 2024].

Duncan P, et al. Deprescribing: a primary care perspective. Eur J Hosp Pharm. 2017;24(1):37-42. PMID: 31156896.

Walker LE, et al. Avoiding harm from overprescribing: What are the challenges and how do we overcome them? Br. J. Clin. Pharmacol. 2021 Jan;87(1):6-8  PMID: 33336507.

Richie C. Environmental sustainability and the carbon emissions of pharmaceuticals. J Med Ethics. 2022 May;48(5):334-337.  PMID: 33853877

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Diese Top-6-Liste entstand in enger Kooperation zwischen dem Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation bzw. Cochrane Österreich (Universität für Weiterbildung Krems) sowie Vertreter*innen von folgenden Fachgesellschaften:

  • Österreichische Fachgesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM),
  • Österreichische Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel (ÖGES),
  • Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG),
  • Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG),
  • Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH),
  • Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖKV),
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