Führen Sie keine serologischen, bildgebenden oder genetischen Tests durch, ohne zuerst frühere verfügbare Ergebnisse abzurufen und zu berücksichtigen.
Die Originalempfehlung (#10) wurde durch die Canadian Rheumatology Association für Choosing Wisely Canada (Rheumatology) erstellt.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2025
Nutzen für Patient*innen und das Gesundheitssystem
Ärzt*innen sollten bei der Entscheidung, ob ein Wiederholungstest gerechtfertigt ist, die Zuverlässigkeit und Gültigkeit früherer Ergebnisse sowie den klinischen Verlauf bei ihren Patient*innen berücksichtigen. Neuerliche Tests werden allerdings häufig dann durchgeführt, wenn frühere Untersuchungsergebnisse aus anderen Einrichtungen nicht leicht verfügbar sind.
Eine bessere Vernetzung elektronischer Patientenakten über verschiedene Systeme hinweg könnte dazu beitragen, externe Testergebnisse schnell abrufbar zu machen. So ließen sich überflüssige Tests vermeiden – ohne die administrative Belastung des medizinischen Personals zu erhöhen. Innerhalb eines Gesundheitssystems könnten zudem Testalgorithmen helfen, unbeabsichtigte Wiederholungstests zu verhindern.
Die Canadian Rheumatology Association nennt als Beispiel die überflüssige Diagnostik bei rheumatischen Erkrankungen, die einerseits zu steigenden Gesundheitskosten, andererseits zu zusätzlichen Blutentnahmen bei Patient*innen führt.
Nutzen für die Umwelt
Laut Fachgesellschaft tragen Probenentnahmen, die verwendete Ausrüstung und die Verarbeitung von Proben zu CO₂-Emissionen bei. Abgesehen von den Tests selbst erhöhen auch der Transport der Patient*innen zu und von medizinischen Einrichtungen sowie der Probentransport den ökologischen Fußabdruck.
Zusammengefasste Kommentare der Teilnehmenden
Die Wiederholung von Untersuchungen erfolge teilweise aus Zeitgründen oder aufgrund fehlender oder schwer zugänglicher Vorbefunde. Häufig werde eine erneute Durchführung als einfacher empfunden, da Prozesse zur Befundverfügbarkeit nicht optimal geregelt seien. In diesem Bereich bestehe erhebliches Verbesserungspotenzial im Sinne einer nachhaltigeren Diagnostik. In dringlichen Fällen könne es jedoch medizinisch gerechtfertigt sein, eine erneute Untersuchung durchzuführen, um zeitliche Verzögerungen durch die Recherche früherer Befunde zu vermeiden. Als zusätzlicher treibender Faktor höherer Testfrequenzen wurde die Begehrlichkeit der Patient*innen nach erneuter Abklärung bzw. Durchführung von Tests genannt.
Quellen
Lake S, et al. Frequency of repeat antinuclear antibody testing in Ontario: a population-based descriptive study. CMAJ Open 2020; 8(1):E184-190. PMID: 32184282.
Man A, et al. An evaluation of autoimmune antibody testing patterns in a Canadian health region and an evaluation of a laboratory algorithm aimed at reducing unnecessary testing. Clin Rheumatol. 2013; 32:601-608. PMID: 23292519