Allgemeinmedizin

Bakterien im Harn

Bakterien im Harn
sind oft harmlos.
Nebenwirkungen
von Antibiotika
nicht immer.

Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch, häufiger Harndrang und manchmal sogar Fieber – diese höchst unangenehmen Symptome des Harnwegsinfekts werden von Bakterien in Harnröhre und Blase verursacht. Ein Antibiotikum kann die Keime meist schnell und verlässlich abtöten. Hin und wieder finden sich aber auch Bakterien im Harn von Menschen, die völlig beschwerdefrei sind.

Bakterien im Harn erfordern nicht zwangsläufig Antibiotika. Nur wer Beschwerden hat, braucht eine Behandlung.

Das betrifft besonders oft ältere Menschen oder Personen, die einen Harnkatheter haben oder hatten. Oft werden die Keime im Zuge von Routineuntersuchungen zufällig entdeckt. Im Gegensatz zum Harnwegsinfekt mit Symptomen ist es in diesem Fall jedoch nicht notwendig, mit Antibiotika zu behandeln. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit Bakterien im Harn, aber ohne Beschwerden, im Allgemeinen nicht von einer Therapie mit Antibiotika profitieren. Im Gegenteil, insgesamt überwiegen eher die Nebenwirkungen der Medikamente, wie Durchfall oder Übelkeit. Noch dazu können Bakterien
gegen Antibiotika resistent werden, weshalb sie generell nie ungerechtfertigt eingesetzt werden sollen. Eine Ausnahme bilden schwangere Frauen. Sie sollten Keime im Harntrakt mit Antibiotika behandeln.

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Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch, häufiger Harndrang und manchmal sogar Fieber – diese höchst unangenehmen Symptome des Harnwegsinfekts werden von Bakterien in Harnröhre und Blase verursacht. Ein Antibiotikum kann die Keime meist schnell und verlässlich abtöten. Nicht selten finden sich aber auch Bakterien im Harn von Menschen, die völlig beschwerdefrei sind. Das betrifft besonders oft ältere Menschen oder Personen, die einen Harnkatheter haben oder hatten. Oft werden diese Keime im Zuge von Routineuntersuchungen zufällig entdeckt. Im Gegensatz zum symptomatischen Harnwegsinfekt ist es in diesem Fall nicht notwendig, mit Antibiotika zu behandeln. Eine Ausnahme bilden schwangere Frauen. Auch vor Operationen am Urogenitaltrakt sollte dieser zuvor mit Antibiotika von Bakterien befreit werden.

Ohne Beschwerden keine Behandlung
Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit Bakterien im Harn, aber ohne Beschwerden, im Allgemeinen nicht von einer Therapie mit Antibiotika profitieren. Im Gegenteil, insgesamt überwiegen eher die Nebenwirkungen der Medikamente, die bei immerhin einer von zehn Personen Probleme wie Durchfall oder Übelkeit hervorrufen. Darüber hinaus können Bakterien gegen Antibiotika resistent werden, weshalb sie generell nie ungerechtfertigt eingesetzt werden sollen.

Gut zu wissen:
Bei 25 bis 50 von 100 älteren Frauen und 15 bis 40 von 100 älteren Männern in Langzeitpflegeeinrichtungen lassen sich Bakterien im Harn nachweisen. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch an einem Harnwegsinfekt leiden oder dass sie eine Therapie benötigen.

Fazit

Bakterien im Harn erfordern nicht zwangsläufig Antibiotika. Nur wer auch Beschwerden hat, braucht eine Behandlung.

Quellen

http://www.choosingwisely.org/clinician-lists/american-geriatrics-society-antimicrobials-to-treat-bacteriuriain-older-adults/

Nordenstam GR, Brandberg CA, Odén AS, Svanborg Edén CM, Svanborg A. Bacteriuria and mortality in an elderly population. N Engl J Med. 1986 May 1;314(18):1152–1156

Nicolle LE, Mayhew WJ, Bryan L. Prospective randomized comparison of therapy and no therapy for asymptomatic bacteriuria in institutionalized elderly women. Am J Med. 1987Jul;83(1):27–33

Juthani-Mehta M. Asymptomatic bacteriuria and urinary tract infection in older adults. Clin Geriatr Med [Internet]. 2007 Aug;23(3):585–594

Nicolle LE, Bradley S, Colgan R, Rice JC, Schaeffer A, Hooton TM; Infectious Diseases Society of America; American Society of Nephrology; American Geriatric Society. Infectious Diseases Society of America Guidelines for the diagnosis and treatment of asymptomatic bacteriuria in adults. Clin Infect Dis. [Internet]. 2005 Mar 1;40(5):643-65

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