Allgemeinmedizin

Mittelohrentzündung

Das Ohr tut bald
nicht mehr weh.
Auch ohne Antibiotika.

Obwohl es besorgten Eltern vermutlich nicht leichtfällt: Wenn bei ihrem Kind eine milde Mittelohrentzündung festgestellt wurde, sollten sie anfangs abwarten und beobachten. Ist das Kind zwischen zwei und zwölf Jahre alt und der Verlauf der Mittelohrentzündung nicht schwer, wird keine Therapie mit Antibiotika empfohlen. Bei den meisten Kindern heilt eine leichte Mittelohrentzündung von selbst ab, auch ohne Antibiotikum.

Bei milder, einseitiger Mittelohrentzündung bei Kindern soll vorerst auf Antibiotika verzichtet und abgewartet werden.

Medikamente zur Symptombekämpfung wie Schmerzmittel oder fiebersenkende Mittel können natürlich sinnvoll sein. In Anbetracht der möglichen negativen Auswirkungen wie Übelkeit, Durchfall und allergische Reaktionen sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bei Ihrem Kind eher sparsam mit einem Antibiotikum umgehen. Am besten ist es, zwei bis drei Tage zu beobachten und dann erneut zu entscheiden.
Ob Antibiotika notwendig sind, entscheiden Ärztinnen und Ärzte individuell je nach Schwere der Erkrankung, Alter und Allgemeinzustand des Kindes. Unbedingte Voraussetzung für diese sogenannte „Watch and wait“-Praxis ist die Möglichkeit, im Bedarfsfall jederzeit ärztliche Hilfe zu bekommen, sowie eine regelmäßige ärztliche Kontrolle. Kinder unter zwei Jahren sollten Antibiotika bekommen, ebenso Kinder mit beidseitiger Infektion oder eitrigem Ausfluss.

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Keine Antibiotika für Kinder mit milder Mittelohrentzündung

Obwohl es besorgten Eltern vermutlich nicht leichtfällt: Auch, wenn bei ihrem Kind eine milde Mittelohrentzündung festgestellt wurde, ist es sinnvoll, vorerst abzuwarten. Ist das Kind zwischen zwei und zwölf Jahre alt und der Verlauf der Mittelohrentzündung nicht schwer, wird keine Therapie mit Antibiotika empfohlen.
Bis zum Alter von drei Jahren hatten 50 bis 85 Prozent der Kinder schon einmal eine Mittelohrentzündung. Nur etwas mehr als die Hälfte davon waren statistisch gesehen von Bakterien verursacht, der Rest von Viren. Auch deshalb ist es bei unkompliziert verlaufenden Entzündungen nicht ratsam, sofort mit Antibiotika zu beginnen, da diese gegen Viren wirkungslos sind.
Bei den meisten Kindern heilt eine leichte Mittelohrentzündung von selbst ab. Laut Studien haben 84 von 100 Kindern nach drei Tagen keine Schmerzen mehr, auch ohne Antibiotikum. Mit Antibiotikum waren es 89 von 100 Kindern. Dem gegenüber steht die hohe Wahrscheinlichkeit von Durchfall, Erbrechen und Hautausschlag. Diese Probleme treffen etwa jedes vierte Kind (27 von 100), das Antibiotika erhält. Auch kranke Kinder, die kein Antibiotikum bekommen leiden darunter, allerdings seltener (20 von 100 Kindern).
Nach drei Monaten sind betroffene Kinder gleich gesund und hören gleich gut, egal ob sie ein Antibiotikum bekommen haben oder nicht. Auch das Risiko für einen Trommelfellriss beeinflussen Antibiotika nur in moderatem Maße. Studien zeigen, dass mit Antibiotikum zwei von 100 Kindern einen Trommelfellriss erleiden, ohne Antibiotikum sind es fünf von 100.

Watch and wait
In Anbetracht der möglichen negativen Auswirkungen wie Übelkeit, Durchfall und allergischen Reaktionen wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bei Ihrem Kind eher sparsam mit einem Antibiotikum umgehen. Am besten ist es, zwei bis drei Tage zu beobachten und dann erneut zu entscheiden. Ob Antibiotika notwendig sind, entscheiden Ärztinnen und Ärzte individuell je nach Schwere der Erkrankung und Alter und Allgemeinzustand des Kindes.
Unbedingte Voraussetzung für diese sogenannte „Watch and wait“-Praxis ist die Möglichkeit, im Bedarfsfall jederzeit ärztliche Hilfe zu bekommen, sowie eine regelmäßige ärztliche Kontrolle.
Ausgenommen sind Kinder unter zwei Jahre mit Entzündung beider Ohren oder eitrigem Ausfluss: Sie sollten sofort ein Antibiotikum erhalten. Auch bei Säuglingen, plötzlicher Verschlimmerung der Symptome oder hohem Fieber kann ein Antibiotikum notwendig sein. Symptome wie Schmerzen oder Fieber können in jedem Fall mit Medikamenten behandelt werden.

Fazit

Kinder mit milder Mittelohrentzündung brauchen nicht zwangsläufig Antibiotika. Ist im Bedarfsfall rasche medizinische Hilfe möglich, wird empfohlen, vorerst abzuwarten und dann erneut zu entscheiden.

Quellen
http://www.choosingwisely.org/clinician-lists/american-academy-family-physicians-antibiotics-for-otitismedia-in-children/

https://www.harding-center.mpg.de/de/faktenboxen/antibiotika/mittelohrentzuendung

Lieberthal AS, Carroll AE, Chonmaitree T, Ganiats TG, Hoberman A, Jackson MA, Joffe MD, Miller DT, Rosenfeld RM, Sevilla XD, Schwartz RH, Thomas PA, Tunkel DE, American Academy of Pediatrics, American Academy of
Family Physicians. The diagnosis and management of acute otitis media. Pediatrics. 2013 Mar;131(3):e964–99

Venekamp RP, Sanders S, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jan 31;1:CD000219

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