Gynäkologie

Kein Doppler-Ultraschall der Nabelschnur bei unkomplizierten Schwangerschaften

Meist ist das Kind
gut versorgt.
Eine Untersuchung der
Nabelschnurarterien ist
normalerweise
nicht notwendig.

zuletzt aktualisiert: März 2021

Während das Kind im Mutterleib heranwächst, wird es von der Mutter mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Dabei spielt die Nabelschnur eine zentrale Rolle: Sie transportiert Nährstoffe und Sauerstoff zum Kind. Ob das Kind gut versorgt ist, kann durch eine Untersuchung mit Doppler-Ultraschall der Nabelschnurarterien überprüft werden. Sie zeigt, wie schnell das Blut durch die Arterien der Nabelschnur fließt.

Ein Doppler-Ultraschall der Nabelschnurarterien ist bei unkomplizierter Schwangerschaft nicht nötig. Anders bei Gefahr einer mangelhaften Versorgung des Kindes: Da macht eine Untersuchung Sinn.

Bei Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft ist diese Untersuchung jedoch nicht notwendig. Studien zeigen weder einen Einfluss auf die – ohnehin sehr niedrige – Sterberate bei Neugeborenen, noch auf andere unerwünschte Ereignisse wie die Aufnahme auf eine Intensivstation oder einen ungeplanten Kaiserschnitt. Solche Ereignisse waren bei allen untersuchten Schwangeren ähnlich häufig – egal ob mit Doppler-Ultraschall oder ohne.

Anders ist es bei einer Hochrisiko-Schwangerschaft, zum Beispiel wenn eine Frau zu hohen Blutdruck oder Diabetes hat, oder wenn das Kind zu klein ist: Hier führt die Untersuchung zu weniger Todesfällen unter den Neugeborenen, und auch Kaiserschnitte sind seltener nötig.

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Kein Doppler-Ultraschall der Nabelschnur bei unkomplizierten Schwangerschaften

Der Blutfluss in der Nabelschnur des ungeborenen Kindes kann mittels Doppler-Ultraschall untersucht werden. Damit kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt feststellen, ob das Kind ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Wenn die Schwangerschaft unkompliziert verläuft, ist das jedoch nicht notwendig. In diesem Fall bringt die Untersuchung keine zusätzlichen Vorteile für die Sicherheit und Gesundheit des Kindes.

Die Nabelschnur: die „Versorgungs-Pipeline“ des Ungeborenen

Während der Schwangerschaft wird das Kind von der Mutter mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Dabei hat die Nabelschnur als „Versorgungs-Pipeline“ eine sehr wichtige Funktion. Die Nabelschnur enthält drei Blutgefäße, durch die Blut zum Kind und wieder zurück fließt (1): Die Nabelschnurvene leitet Blut, dass mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichert ist, von der Plazenta (im Volksmund auch Mutterkuchen genannt) bis zum Kind. Abfallstoffe aus dem Kreislauf des Kindes gelangen – zusammen mit nun sauerstoffarmem Blut – über die beiden Nabelschnurarterien zurück in den mütterlichen Blutkreislauf.

Die Plazenta ist ein Knäuel aus Blutgefäßen, das fest in der Gebärmutterwand verankert ist. In der Plazenta passiert der Austausch von Sauerstoff, Nähr- und Abfallstoffen zwischen dem Blutkreislauf von Mutter und Kind.

Um zu überprüfen, ob dieser Austausch zwischen Mutter und Kind gut funktioniert, gibt es die Möglichkeit, den Blutfluss in den Nabelschnurarterien zu untersuchen (2). Das geschieht üblicherweise mittels Doppler-Ultraschall, einer spezielle Ultraschalluntersuchung, mit der die Geschwindigkeit des Blutflusses gemessen werden kann.

Doppler-Ultraschall: nicht bei unkomplizierter Schwangerschaft

Nicht alle schwangeren Frauen brauchen jedoch einen Doppler-Ultraschall der Nabelschnur, vor allem dann nicht, wenn die Schwangerschaft normal verläuft. In einer Zusammenfassung von fünf Studien, in denen 14.185 Frauen mit unkompliziert verlaufenden Schwangerschaften untersucht wurden (3), gab es keinen Einfluss auf die – ohnehin sehr niedrige – Sterberate bei Neugeborenen. In beiden Gruppen starben sieben bis neun von 1.000 Neugeborenen während der Zeit um die Geburt, unabhängig davon, ob ein Doppler-Ultraschall durchgeführt worden war oder nicht. Auch auf die Zahl der Kaiserschnitte oder den Anteil an Neugeborenen, die auf einer Intensivstation behandelt werden mussten, hatte eine routinemäßige Untersuchung mittels Doppler-Ultraschall keinen Einfluss.

Sinnvoll bei Risiko-Schwangerschaften

Anders sieht es bei Frauen aus, die ein hohes Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft haben (4). Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind zu klein ist, wenn die Mutter schon früher Fehlgeburten hatte, oder wenn sie an einem erhöhten Blutdruck, Diabetes oder eine Störung der Blutgerinnung leidet. Stellt die Frauenärztin oder der Frauenarzt in der Schwangerschaft ein Problem fest, wird sie oder er die Versorgung des Kindes regelmäßig überwachen und falls nötig die Geburt vorzeitig einleiten.

Gut zu wissen:

Bei einer Zusammenfassung von fünf Studien wurden 14.185 unkomplizierte Schwangerschaften untersucht. Unkompliziert bedeutet, dass weder die Mutter noch das Kind einem erhöhten gesundheitlichen Risiko ausgesetzt waren (3). Bei der Hälfte der Schwangeren wurde die Nabelschnur des Ungeborenen mittels Doppler-Ultraschall untersucht, bei der anderen Hälfte nicht. Am Ende der Studien zeigte sich: In beiden Gruppen waren etwa gleich viele ungeplante Kaiserschnitte nötig: etwa bei elf von 100 Geburten. Auch Frühgeburten traten mit und ohne Ultraschalluntersuchung gleich häufig auf, und zwar in fünf von 100 Fällen. In beiden Gruppen mussten je sieben von 100 Neugeborenen auf der Intensivstation behandelt werden. Auch hier brachte die Untersuchung mittels Doppler-Ultraschall keinen Vorteil.

Fazit:

Die Untersuchung der Nabelschnurarterien mittels Doppler-Ultraschall ist bei Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft nicht notwendig. Hier bringt die Untersuchung keine zusätzlichen Vorteile für die Sicherheit und Gesundheit des Kindes. Bei Frauen mit Hochrisiko-Schwangerschaft hingegen ist der Doppler-Ultraschall eine nützliche Untersuchung und kann die Sterberate bei Neugeborenen senken sowie ungeplante Kaiserschnitte verhindern.

Quellen:

1.            Spurway J, Logan P, Pak S. The development, structure and blood flow within the umbilical cord with particular reference to the venous system. Australasian journal of ultrasound in medicine. 2012;15(3):97-102.

2.            ACOG Practice Bulletin No. 204: Fetal Growth Restriction. Obstetrics and gynecology. 2019;133(2):e97-e109.

3.            Alfirevic Z, Stampalija T, Medley N. Fetal and umbilical Doppler ultrasound in normal pregnancy. The Cochrane database of systematic reviews. 2015;2015(4):Cd001450.

4.            Alfirevic Z, Stampalija T, Gyte GM. Fetal and umbilical Doppler ultrasound in high-risk pregnancies. The Cochrane database of systematic reviews. 2010(1):Cd007529.

Ausgewählt von

 

Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe entwickelt Empfehlungen und Leitlinien und fördert die Forschung, Aus-und Weiterbildung im Fachgebiet, um Frauen in ihrer geschlechtsspezifischen Gesundheit bestmöglich zu behandeln.