Empfehlungen

Knochenbruch-Risiko-Test unter 50 Jahren nicht sinnvoll

Nach Osteoporose suchen?
Macht unter 50 Jahren
wenig Sinn.

Im Alter können ein unachtsamer Moment und eine Stolperfalle im Haushalt schnell mehrere Wochen Gips bedeuten. Knochen brechen leichter, wenn die Knochendichte stark abnimmt. Man spricht dann
von Osteoporose. Das eigene Risiko für Knochenbrüche einschätzen
zu können ist wichtig, um entsprechend vorbeugen zu können. Bis zum
Alter von 50 Jahren ist jedoch kaum jemand von schwerer Osteoporose
betroffen. Ein routinemäßiger Test ist in diesem Alter daher nicht notwendig.

Unter 50 Jahren ist es nicht sinnvoll, nach Osteoporose zu suchen.

Denn auch hier gilt: Es gibt keine perfekten Tests. Bei einer flächen-deckenden Untersuchung wird bei vielen Personen Osteoporose vermutet, obwohl ihre Knochen vollkommen in Ordnung sind. Das könnte zu weiteren Untersuchungen und einer Behandlung mit Medikamenten führen, die gar nicht notwendig sind. Anders bei Erwachsenen ab 50 Jahren: Hier sollte alle zehn Jahre das persönliche Risiko für Knochen-brüche aufgrund von Osteoporose berechnet werden. Ist das Risiko erhöht, wird eine Knochendichtemessung zur weiteren Abklärung empfohlen. Damit es gar nicht erst zu Knochenbrüchen kommt, ist es wichtig, Stürze zu vermeiden. Denn Stolperfallen wie lose Teppiche oder Türschwellen gibt es überall.

Ausführliche Information einblenden

Kein routinemäßiger Osteoporose-Test bei unter 50-Jährigen

Im gesunden Körper werden Knochen laufend umgebaut. Alte Knochensubstanz wird abgebaut, neue kommt hinzu. Mit höherem Alter wird aber zunehmend mehr Knochen ab- als aufgebaut. Das führt dazu, dass die Knochendichte mit der Zeit abnimmt. Die Knochen werden porös. Wenn die Knochensubstanz zu stark abnimmt, spricht man von Knochenschwund oder Osteoporose.

Menschen mit Osteoporose haben ein höheres Risiko für Knochenbrüche – etwa wenn sie stürzen. Entdeckt man eine Osteoporose frühzeitig, können körperliches Training und Medikamente die Knochendichte verbessern und so Knochenbrüchen vorbeugen.

Bei gesunden Menschen unter 50 Jahren ist schwerer Knochenschwund sehr selten. Ein Test ist daher nicht notwendig. Denn auch hier gilt: Es gibt keine perfekten Tests. Gerade bei Jüngeren, die ein geringes Risiko für eine Osteoporose haben, liefern Früherkennungsuntersuchungen keine verlässlichen Ergebnisse. Auch wenn das Testergebnis Auffälligkeiten zeigt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit alles in Ordnung. Man spricht hier von „falsch positiven“ Ergebnissen. Das heißt, gesunde Menschen werden irrtümlich als krank eingestuft. Das kann zu nicht notwendigen Folge-untersuchungen und Behandlungen mit Medikamenten führen. Diese Medikamente nützen in solchen Fällen nichts, können aber Neben-wirkungen haben.

Wann ist das Risiko für Osteoporose erhöht?

In Österreich weisen rund sechs von 100 Personen eine verminderte Knochendichte auf. Das entspricht insgesamt mehr als 500.000 Personen.

Doch nicht alle haben ein gleich hohes Risiko, Osteoporose zu entwickeln. Das Osteoporose-Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Sieht man sich nur die Personen über 60 Jahre an, sind bereits 17 von 100 betroffen.

Durch Veränderungen im Hormonhaushalt haben vor allem Frauen nach den Wechseljahren ein erhöhtes Risiko. Auch Bewegungsmangel erhöht das Osteoporose-Risiko. Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, haben dagegen eine festere Knochensubstanz und sind weniger häufig von Osteoporose betroffen.

Über 50? Lassen Sie Ihr Frakturrisiko berechnen

Wichtig ist also, Ihr persönliches Risiko für Knochenbrüche einschätzen zu können. Das kann bei der Entscheidung helfen, ob eine Knochendichte-messung für Sie sinnvoll ist.

Ab 50 Jahren ist es empfehlenswert, sich mit dem persönlichen Osteoporose-Risiko zu befassen und vorzusorgen. Mithilfe eines speziellen Rechners kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie in den nächsten zehn Jahren einen Knochenbruch aufgrund von Osteoporose erleiden.

Häufigere Untersuchungen bringen nicht mehr Vorteile

Ab dem 50. Lebensjahr kann eine Messung der Knochendichte je nach persönlichem Risiko sinnvoll sein. Wie häufig die Untersuchung wiederholt werden sollte, ist allerdings noch unklar. Aktuelle Studien mit Frauen und Männern um 75 Jahren mit normaler Knochendichte ergaben: Eine Knochendichtemessung alle zehn Jahre dürfte in dieser Altersgruppe ausreichend sein. Häufigere Untersuchungen dürften keine Vorteile bringen.

Je geringer die Knochendichte, desto wahrscheinlicher sind Brüche

Die Knochendichtemessung wird in der Fachsprache Dual-Energie-Röntgen(X-Ray)-Absorptiometrie, Densitometrie oder auch DEXA-Scan genannt. Dabei werden die Lendenwirbelsäule und die Hüftgelenke mittels Röntgen untersucht. Anhand der Bilder wird die Dichte der Knochen gemessen und mit der Knochendichte junger Erwachsener verglichen.

Je niedriger die Knochendichte, desto höher das Risiko, sich bei einem Sturz einen Knochen zu brechen. Typisch sind dabei Brüche an der Hüfte, der Wirbelsäule, des Handgelenks- und des Oberarmknochens.

Ein wichtiger Teil der Vorsorge ist die Vermeidung von Stürzen. Körperliches Training ist die wirkungsvollste Methode, um Stürzen vorzubeugen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie auch beraten, wie Sie Stolperfallen im Alltag erkennen und entfernen können. In Haushalten gibt es viele Stolperfallen, zum Beispiel lose Teppiche, Türschwellen oder falsches Schuhwerk.

Was hilft gegen Osteoporose?

Ist das Risiko für Knochenbrüche durch Osteoporose erhöht, wird die Ein-nahme von Vitamin D und Kalzium empfohlen. Es gilt als gesichert, dass dadurch das Risiko für Knochenbrüche –  vor allem für Hüftfrakturen – gesenkt wird. Die Behandlung mit Vitamin D und Kalzium kann aber auch Nebenwirkungen haben. Dazu gehören etwa Magen-Darm-Beschwerden, Nierensteinen oder Nierenversagen.

Zudem gibt es Medikamente, die den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel Bisphosphonate, Raloxifen, Desonumab oder Parathormon. Sollten diese für Sie infrage kommen, wird Sie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt dazu beraten.

Eine wirksame Therapie fast ohne Risiken und Nebenwirkungen ist hingegen das körperliche Training: Eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining kann die Knochendichte nachweislich erhalten und auch verbessern.

Auch das Risiko zu stürzen ist kleiner, wenn man körperlich fit ist. Ältere Personen, die zu Hause lebten und an einem körperlichen Training teilnahmen, stürzten in Studien seltener als Personen in der Vergleichsgruppe. 

Wichtig bei körperlichem Training ist die Regelmäßigkeit. Empfehlenswert sind mindestens zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche, wie rasches Gehen, Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen. Diese Bewegung sollte zumindest mäßig anstrengend sein und etwas ins Schwitzen bringen. Als Daumenregel gilt: Man sollte dabei gerade noch genug Puste haben, um sich mit jemandem unterhalten zu können. Zusätzlich hilft Training, das die Muskeln kräftigt – mindestens zweimal pro Woche.

Gut zu wissen:

Über 50: Früherkennung kann Knochenbrüchen vorbeugen

Eine Studie zeigte, dass bei Frauen ab 65 Jahren, die an einer Früh-erkennungsuntersuchung teilnahmen, weniger Hüftbrüche auftraten. Von jenen Frauen, die an der Untersuchung teilnahmen, erlitten 3 von 100 innerhalb der nächsten fünf Jahre einen Hüftbruch. In der Gruppe ohne Früherkennungsuntersuchung waren es 4 von 100 Frauen.

Die Früherkennungsuntersuchung sah in der Studie so aus: Zuerst wurde das persönliche Risiko für Knochenbrüche jeder Teilnehmerin errechnet (Fracture Risk Assessment). War das Risiko erhöht, in den nächsten zehn Jahren einen Bruch zu erleiden, wurde die Knochendichte gemessen. Jene Teilnehmerinnen, die Osteoporose hatten, erhielten eine Behandlung.

Befund-Dolmetscher

Bei einem Knochendichte-Test wird das Ergebnis mit den Werten eines gesunden jungen Erwachsenen verglichen. Verwendet wird der sogenannte T-Wert. Liegt er bei 1, ist die Knochendichte normal. Laut Weltgesundheits-organisation (WHO) spricht man von Osteoporose, wenn der T-Wert um mindestens 2,5 geringer ist als bei einem jungen Erwachsenen.

Fazit:

Osteoporose tritt mit zunehmenden Alter häufiger auf. Ab einem Alter von 50 Jahren ist eine Beratung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt sinnvoll, um ihr persönliches Risiko für Knochenbrüche einzuschätzen. Erwachsene unter 50 Jahren brauchen keine Früherkennungsuntersuchung, um festzustellen, ob ihr Osteoporose-Risiko erhöht ist.

Quellen:

Nelson HD, Haney EM, Dana T, Bougatsos C, Chou R. Screening for osteoporosis: an update for the US Preventive Services Task Force. Annals of Internal Medicine. 2010; 153(2): 99-111

Nelson H, Haney E, Chou R, Dana T, Fu R, Bougatsos C. Screening for osteoporosis: systematic review to update the 2002 US Preventive Services Task Force Recommendation. Rockville, MD: Agency for Healthcare Research and Quality, US Department of Health and Human Services; 2010. Report; 2010

The Committee on Practice Bulletins-Gynecology. ACOG Practice Bulletin N. 129. Osteoporosis. Obstetrics and gynecology. 2012; 120(3): 718

WHO. Assessment of fracture risk and its application to screening for postmenopausal osteoporosis: report of WHO study group (meeting held in Rome from 22 to 25 June 1992). Geneva: World Health Organization; 1994

Klimont J, Kytir J, Leitner B. Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/7: Hauptergebnisse und methodische Dokumentation: Statistik Austria; 2007

Viswanathan M et al. Screening to Prevent Osteoporotic Fractures: An Evidence Review for the US Preventive Services Task Force North Carolina; 2018

Shepstone L et al. Screening in the community to reduce fractures in older women (SCOOP): a randomized controlled trial. Lancet 2018; 391(10122): 741-7

Hilier TA et al. Evaluating the value of repeat bone mineral density measurement and prediction of fractures in older women: the study of osteoporotic fractures: Archives of Internal Medicine. 2007; 167(2): 155-6

Berry SD et al. Repeat bone mineral density screening and prediction of hip and major osteoporotic fracture. JAMA. 2013; 310(12): 1256-62

Avenell A, Mark JC, O´Connel D. Vitamin D and vitamin D analogues for preventing fractures in post-menopausal women and older men. Cochrane Database Syst. Rev. 2014 (4): CD000227

Xu J et al. Effects of Exercise on Bone Status in Female Subjects, from Young Girls to Postmenopausal Women: An Overview of Systematic Reviews and Meta-Analyses. Sports Med. 2016; 46(8): 1165-82

Hopewell S, Adedire O, Copsey BJ, Boniface GJ, Sherrington C, Clemson L, et al. Multifactorial and multiple component interventions for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database Syst Rev. 2018; 7: CD012221

Österreichische Bewegungsempfehlungen, Band Nr. 17 aus der Reihe WISSEN, Fonds Gesundes Österreich https://fgoe.org/sites/fgoe.org/files/2020-06/WB17_bewegungsempfehlungen_bfrei.pdf