Geriatrie

Psychopharmaka bei Demenz

Nur Fische im
Fernsehen?
Verwirrtheit kann
viele Ursachen haben.

zuletzt aktualisiert: November 2018

Menschen, die an Demenz leiden, sind häufig verwirrt, ängstlich oder aggressiv. Mit der Absicht, zu beruhigen, werden hier oft antipsychotisch
wirksame Medikamente verabreicht. Wider wissenschaftliche Erkenntnisse
allerdings, die gezeigt haben, dass diese Medikamente bei Menschen mit
Demenz nicht die gewünschte Wirkung, aber zahlreiche Nebenwirkungen
haben. Benommenheit, Sturzgefahr, Einschränkung der sozialen Kontakte
und die Verschlechterung kognitiver Funktionen sind einige davon.

Antipsychotika sind kein geeignetes Mittel gegen Verwirrtheit und Unruhe bei Demenz. Die Ursache des auffälligen Verhaltens sollte gesucht und behandelt werden.

Da störendes oder gefährliches Verhalten im Krankenhaus häufiger als gedacht konkrete Ursachen hat, ist es ratsam, zuallererst nach diesen zu suchen. Wenn alte Menschen vergesslich sind, schlecht hören oder sehen, kann das verunsichern und Missverständnisse begünstigen. Genauso können Schmerzen, Störungen im Elektrolythaushalt, unentdeckte Infekte und Wechselwirkungen von Medikamenten verwirrt, aggressiv und orientierungslos machen. Kommunikation ist deshalb die erste und wichtigste Maßnahme. Sind alle möglichen Ursachen ausgeschlossen oder
ist die Sicherheit der Betroffenen oder ihres Umfelds bedroht, kann eine
Therapie mit Antipsychotika erwogen werden.

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Verwirrt aus gutem Grund

Wider wissenschaftliche Erkenntnisse allerdings, die gezeigt haben, dass diese Medikamente bei Menschen mit Demenz nicht die gewünschte Wirkung, aber zahlreiche Nebenwirkungen haben. Benommenheit, Sturzgefahr, Einschränkung der sozialen Kontakte und die Verschlechterung von Gedächtnis und Denkleistung sind einige davon. Da störendes oder gefährliches Verhalten im Krankenhaus öfter als gedacht ganz konkrete Ursachen hat, ist es ratsam, zuallererst nach diesen zu suchen.

Kommunikation ist alles

Manchmal reichen Zuwendung und Gespräche aus, um ängstlichen oder verwirrten Personen wieder Sicherheit und Orientierung zu geben. Wenn alte Menschen vergesslich sind, schlecht hören oder sehen, kann das verunsichern und zu Missverständnissen führen. Hier ist Kommunikation die erste und wichtigste Maßnahme. Genauso können Schmerzen, Störungen im Elektrolythaushalt, unentdeckte Infekte und Wechselwirkungen von Medikamenten verwirrt, aggressiv und orientierungslos machen. Eine Durchsicht der verabreichten Medikamente und ein Weglassen von allen, die nicht unbedingt notwendig sind, kann schon Teil der Lösung sein. Aktivierung, körperliche Betätigung tagsüber, ist ebenfalls wichtig für eine ruhige Nacht.

Erst wenn alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen wurden oder die Sicherheit der Betroffenen oder ihres Umfelds bedroht ist, kann eine Therapie mit Antipsychotika erwogen werden.

Bei Verwirrtheit (Delir) zuerst daran denken:

  • Infekte
  • Schmerzen
  • Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten
  • Flüssigkeitsmangel
  • Elektrolytstörung
  • Sehstörungen
  • Schwerhörigkeit
  • Verdauungsstörungen

Fazit:

Antipsychotika sind kein Mittel der ersten Wahl gegen Verwirrtheit und Unruhe bei Demenz. Zuerst sollte die Ursache des auffälligen Verhaltens gesucht und behandelt werden.

Originalempfehlungen und Quellen:

American Geriatrics Society [http://www.choosingwisely.org/wp-content/uploads/2015/01/Choosing-Wisely-Recommendations.pdf]

AMDA – The Society for Post-Acute and Long-Term Care Medicine

[http://www.choosingwisely.org/wp-content/uploads/2015/01/Choosing-Wisely-Recommendations.pdf]

Campanelli CM. American Geriatrics Society updated beers criteria for potentially inappropriate medication use in older adults: the American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update Expert Panel. Journal of the American Geriatrics Society. 2012;60(4):616

Flaherty JH, Gonzales JP, Dong B. Antipsychotics in the treatment of delirium in older hospitalized adults: a systematic review. Journal of the American Geriatrics Society. 2011;59:S269-S76

Maher AR, Maglione M, Bagley S, Suttorp M, Hu J-H, Ewing B, et al. Efficacy and comparative effectiveness of atypical antipsychotic medications for off-label uses in adults: a systematic review and meta-analysis. Jama. 2011;306(12):1359-69

Ozbolt LB, Paniagua MA, Kaiser RM. Atypical antipsychotics for the treatment of delirious elders. Journal of the American Medical Directors Association. 2008;9(1):18-28

Schneider LS, Dagerman KS, Insel P. Risk of death with atypical antipsychotic drug treatment for dementia: Meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. JAMA. 2005;294(15):1934-43

Sink KM, Holden KF, Yaffe K. Pharmacological treatment of neuropsychiatric symptoms of dementia: a review of the evidence. Jama. 2005;293(5):596-608

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Die Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG) vertritt die Interessen der multimorbiden und vulnerablen älteren Menschen und Ihrer Angehörigen. Weiters fördert die ÖGGG Forschung und Lehre über das Altern und verbreitet aktuelle geriatrische und gerontologische Erkenntnisse.